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Zendo Felsentor
Gebäudetyp: Zendo (Zen-Tempel) Fläche der Anlage: 145,5 qm Gebäudehöhe: 8,10 m Kosten: Keine Angaben Einsprachen: Ja, verwaltungsintern (Waldabstand) Bauherrschaft: Stiftung Felsentor Architekt: Hr. Paul Discoe, Kalifornien Grundsteinlegung: Juli 2003 Bauzeit: 14 Monate Einweihung: 22. September 2004 Religiöse Tradition: Zen-Buddhismus (sowie interreligiöses Anliegen) Erste Idee bis Einweihung: ca. 6 Jahre |

Das Stationsschild «Romiti-Felsentor» weist darauf hin: Man befindet sich 1195 Meter über dem Meeresspiegel.
Station «Romiti-Felsentor». Wir befinden uns auf halbem Weg zwischen Vitznau und dem Ziel der meisten Passagiere: dem Aussichtsgipfel Rigi Kulm. Doch unsere Bahnfahrt endet schon hier. Nur wenige steigen bei dieser vermeintlich kaum benutzten Haltestelle aus. Nach etwa zehn Minuten auf dem Wanderweg talabwärts versperren, wie nach einem Felssturz, drei mächtige Gesteinsblöcke den Weg. Aus der Nähe bemerkt der Wanderer jedoch, dass die aneinander verkanteten Felsen einen natürlichen Durchgang bilden − das «Felsentor».

Das Felsentor, ein unvermittelter Durchgang im Gestein.
Gleich nach diesem staunenswerten Naturkunstwerk zieht linkerhand ein zierlicher Kleinpark die Blicke auf sich und darin ein Holzgebäude:
keine Luzerner Alphütte, sondern ein tempelartiger Bau asiatischen Zuschnittes. Dies deutet zumindest dessen leicht geschwungenes Dach an. Zunächst erinnert es an ein «Zendo», einen Zen-buddhistischen Tempel. In der Tat ist der Architekt ein amerikanischer Zen-Priester, der in Japan Tempelbau studiert hat. Nach Vanja Palmers, dem Gründer der Stiftung Felsentor, war es jedoch dessen Absicht, «ein Gebäude zu schaffen, welches weder zeitlich noch kulturell eindeutig zugeordnet werden kann».
Gleich unterhalb des «natürlichen Felsentors» baute um 1860 die Gemeinde Weggis das Hotel Felsentor, dessen atemberaubenden Panoramablick über den Vierwaldstättersee seit 2001 nicht mehr Kurgäste, sondern Seminarteilnehmer geniessen.

Das Hotel am Felsentor in einer Aufnahme aus dem Jahr 1906
Hans Vanja Palmers, der das «Felsentor» präsidiert, erklärt: «Da es in der Schweiz nur wenige Zendos in abgelegener Umgebung gab, in denen man auch übernachten und mehrtägige Sesshins (Mediationswoche) abhalten kann, entstand der Wunsch, einen solchen Platz zu suchen und zu schaffen.» 1999 konnte zu diesem Zweck die Liegenschaft Felsentor durch die neu gegründete Stiftung Felsentor gekauft werden.

Blick auf das neue Gebäude, in dem sich die Meditationshalle befindet
Anfänglich habe die lokale Baubehörde gegenüber dem geplanten Zendo-Bauprojekt Bedenken gehabt, berichtet Palmers. Insbesondere deshalb, weil das dafür beanspruchte Bauland ausserhalb der Bauzone war, und sich die Rigi in einem schweizerischen Kataster für schützenswerte Landschaften befindet. Nicht zuletzt war auch das voraussichtliche Erscheinungsbild des Zendos ein Problem für die Behörden. Nach längeren Verhandlungen klappte es schliesslich mit der Baubewilligung, sodass das Zendo Ende 2004 eingeweiht werden konnte.
Ist dieses architektonische Kunstwerk um der Liebhaberei willen gebaut worden, oder gibt es auch andere Gründe dafür?
Das Erscheinungsbild des Zendos dürfe ruhig neugierig machen und soll zugleich auch einladend wirken, meint Palmers. Das Zendo wurde jedoch nicht nur aus ästhetischen Gründen gebaut: «Schönheit und Schlichtheit − innen und aussen − des Zendos unterstützen den Geist in seinem Bemühen die eigene Schönheit und Schlichtheit zu entdecken.»

Vanja Palmers
Vanja Palmers ist Gründer und Präsident der Stiftung Felsentor und war Mitbegründer des ökumenischen «Hauses der Stille» in Puregg in Österreich. Seit 30 Jahren fungiert er auch als Zen-Priester. Daneben engagiert er sich im Tierschutz − einem zentralen Anliegen der Stiftung Felsentor. Er war einer der hauptverantwortlichen Initianten des Zendo-Projektes und ist heute zuständig für dessen Betrieb.
Palmers bezeichnet das Verhältnis zur Umgebung Vitznau und Rigi als ausnahmslos gut: «Gemeinde, Behörden und die vorbeiziehenden Wanderer sind sehr zufrieden mit dem Gebäude und unseren Aktivitäten darin. Sie loben uns und unterstützen uns in allen Belangen.» Das öffentliche Gartenrestaurant mache es für Wanderer relativ leicht, etwas über das Begegnungs- und Meditationszentrum zu erfahren.

Buddha-Statue auf einem Altar

Die Gemeinschaft auf dem Felsentor versteht sich, obwohl sie sich an der buddhistischen Lehre orientiert, als interreligiös. So findet sich auch eine schwarze Madonna im Zendo.
Seit 2002 werden im «Felsentor» Meditationsseminare und auch Kurse zur Entwicklung des Körperbewusstseins angeboten. Die Kurse werden zumeist von Lehrern aus verschiedenen buddhistischen Traditionen angeboten. Daneben gibt es auch Kurse über Homöopathie, kontemplatives Tanzen, Tuschmalerei, Traumarbeit usw. Im Sommer betreibt die Stiftung das kleine vegetarische Restaurant.
Die Gemeinschaft orientiert sich zwar an der buddhistischen Lehre, aber sie versteht sich dennoch als interreligiös. So wohnt und arbeitet auch die franziskanische Schwester Theresa im «Felsentor», und im Zendo-Gebäude findet sich ausser der erwarteten Buddhastatue auch eine schwarze Madonna.

Schwester Theresa, eine Franziskanernonne, wohnt und arbeitet ebenfalls im Zentrum Felsentor. Hier hilft sie bei der Versorgung der Tiere.
Ein weiterer Schwerpunkt der Stiftung liegt im Natur- und Tierschutz. Unterhalb des ehemaligen Hotelgebäudes bewirtschaftet die Gemeinschaft deshalb eine kleine Alp mit künstlichem Teich, auf der Hühner, Schweine, Ziegen und der durch die Medien bekannt gewordene Stier «Nandi» gehalten werden.
Schweizerische Buddhistische Union
Kurzinfo Zen-Buddhismus (Inforel, Basel)
Kurzinfo zur Stiftung Felsentor (Projekt Religionspluralismus im Kanton Luzern)
Text: Edwin Egeter
Fotos: Edwin Egeter

«Kuppel − Tempel − Minarett» ist ein Projekt des Zentrums Religionsforschung Luzern
Letzte Bearbeitung: 06.10.2011
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